In einer zunehmend globalisierten Welt ist die Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand
hinauszublicken, von unschätzbarem Wert. Auslandserfahrungen bereichern junge
Menschen nicht nur fachlich, sondern fördern auch ihre Persönlichkeitsentwicklung in
besonderem Maße. Sie lernen, sich in fremden Kulturen zu orientieren, entwickeln
interkulturelle Kompetenzen und erweitern ihren Horizont durch den Austausch mit
Menschen unterschiedlichster Herkunft. Diese Erfahrungen tragen entscheidend dazu
bei, ihre beruflichen und persönlichen Perspektiven zu erweitern.
Mit Erasmus+ erhalten junge Menschen die Chance, diese wertvollen Auslandserfahrungen
zu sammeln, auch unabhängig vom Einkommen der Eltern. Bisher wurde das Erasmus+-
Programm vor allem von Studierenden genutzt, obwohl es längst auch Azubis offensteht.
Wir wollen den Zugang für Azubis verbessern und zeigen, dass ein Auslandsaufenthalt
kein Studium voraussetzt. Dadurch ermöglichen wir, dass auch Azubis von den Vorteilen
einer internationalen Ausbildung profitieren und stärken die Attraktivität der dualen
Berufsausbildung für junge Menschen.
Deshalb fordern wir:
- Bekanntheit von Erasmus+ steigern: Viele Azubis wie auch Betriebe wissen wenig
über die Chancen, die Erasmus+ eröffnet. Deshalb wollen wir Azubis und Betriebe
gezielt informieren. Dazu wollen wir eine Werbekampagne für Erasmus+ an den
Berufsschulen sowie den Industrie- und Handelskammern und den Handwerkskammern
starten. Zum Start der Berufsschule soll für alle Azubis ein Informationstag zu
Erasmus+ ausgerichtet werden. Dabei soll der Ablauf eines Auslandsaufenthalts
dargestellt sowie der Wert einer Auslandserfahrung für die Azubis wie auch die
Betriebe herausgestellt werden. - Berufsschulen fit für Erasmus+ machen: Ob ein Auslandsaufenthalt zustande kommt,
hängt vielfach vom engagierten Personal an den Berufsschulen ab, das Partner im
Ausland finden und Azubis bei der Realisierung unterstützen muss. Deshalb wollen
wir an den Berufsschulen Europabeauftragte schaffen, die hierfür zuständig sind.
Die Europabeauftragten müssen ihre Tätigkeit angemessen auf ihre Lehrtätigkeit
anrechnen können, indem sie Ermäßigungsstunden erhalten. Zudem sollen sie eine
Zulage für ihre Tätigkeit und eine Bürokraft zur Unterstützung bei
Verwaltungstätigkeiten erhalten. Die Fortbildungen bei der Nationalen Agentur
für Erasmus+ wollen wir ausweiten. Um die Partnersuche im Ausland zu
erleichtern, soll eine Online-Plattform geschaffen werden, auf der sich Betriebe
und Berufsschulen europaweit vernetzen können. Schließlich wollen wir prüfen,
wie Lehrkräfte durch den Abbau von Bürokratie entlastet werden können. Denn ca.
50 % des Zeitaufwandes für die Realisierung eines Auslandsaufenthaltes fließt
aktuell in Bürokratie. - Recht auf Freistellung für Azubis: Ein Auslandsaufenthalt ist eine Win-win-
Situation für Azubis und ihren Betrieb. Dennoch scheitern Auslandsaufenthalte
gerade in kleineren Betrieben daran, dass Betriebe ihre Azubis nicht
freistellen. Wir wollen Azubis daher ein Recht auf Freistellung für einen
Auslandsaufenthalt von mindestens 42 Wochen gewähren.