Die Jungen Liberalen erkennen die Bedeutung der Vereinten Nationen als globales Forum und Organisation zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit, der sich nahezu alle Staaten als Mitglieder freiwillig angeschlossen haben. Trotz der herausragenden Bedeutung der Vereinten Nationen hat die Organisation auch Schwächen, weswegen wir Strukturreformen als unausweichlich ansehen, um die Funktionsfähigkeit der Vereinten Nationen zu verbessern und sie an die sich wandelnden globalen Realitäten anzupassen.
Die Jungen Liberalen begrüßen, dass es Reformbemühungen mittels des im September 2024 verabschiedeten sog. Zukunftspakts der Vereinten Nationen gibt, aber halten diese angesichts der vielen (strukturellen) Herausforderungen für nicht ausreichend. Wir fordern zudem eine klare Positionierung der Vereinten Nationen zu Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten.
1. Reform des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist international das einzige Organ, welches das Völkerrecht mit global verbindlichen Zwangsmaßnahmen durchsetzen und so einen entscheidenden Beitrag zum Weltfrieden und zur Achtung der Menschenrechte leisten könnte. Leider ist der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgrund des Vetorechts massiv in seinen Handlungen eingeschränkt, weswegen wir die Abschaffung des derzeit existierenden Vetorechts fordern. Alle Beschlüsse des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen müssen zudem vor dem IGH auf ihre Vereinbarkeit mit der Charta der Vereinten Nationen überprüft werden können, wenn dies von einem Mitgliedstaat der Vereinten Nationen gefordert wird. Zudem fordern die Jungen Liberalen eine Anpassung der Zusammensetzung des Sicherheitsrats an die aktuellen geopolitischen Realitäten hin zu einer adäquaten globalen Repräsentation. Dabei sollten Indien, ein afrikanischer Staat sowie ein lateinamerikanischer Staat einen ständigen Sitz erhalten. Wir fordern zudem die Schaffung nichtständiger Sitze mit längerer Amtszeit sowie die Möglichkeit der Wiederwahl.
2. Stärkung des Internationalen Menschenrechtsschutzes und Reform des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen
Die Jungen Liberalen fordern die Aufnahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) in die Charta der Vereinten Nationen. Zudem fordern wir die Schaffung eines Internationalen Gerichtshofs für Menschenrechte (IGMR), vor dem natürliche und juristische Personen sowie Staaten und zwischenstaatliche Organisationen mit eigener Rechtspersönlichkeit wegen einer Verletzung der Menschenrechte klagen können. Zudem kann neben der AEMR der IGMR auch über die Einhaltung weiterer Menschenrechtskonventionen wie des UN-Zivilpakts, der UN-Frauenrechtskonvention, der UN Behindertenrechtskonvention, der UN-Kinderrechtskonvention, der Genfer Flüchtlingskonvention, der UN Rassendiskriminierungskonvention, der UN-Antifolterkonvention, wachen. Bis zur Schaffung des IGMR soll der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen als Instrument des internationalen Menschenrechtsschutzes dienen. Die Zuständigkeit des IGMR müsste zudem mit bestehenden regionalen Menschenrechtsschutzmechanismen wie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte abgestimmt werden. Die Jungen Liberalen fordern auch die Reform des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen. Die Wahl in den Menschenrechtsrat soll eine ⅔-Mehrheit der Generalversammlung erfordern, um die Legitimität zu stärken. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen soll die unangemessene und einseitige Fokussierung auf den israelisch-palästinensischen Konflikt und die ungerechtfertigte, oftmals antisemitisch motivierte Verurteilung Israels beendigen. Die Jungen Liberalen bekennen sich zur Schutzverantwortung (Responsibility to Protect), wonach jeder Staat verpflichtet ist, schwere Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden. Ist ein Staat nicht in der Lage, diese Verpflichtung zu erfüllen oder ist er selbst verantwortlich für schwere Menschenrechtsverletzungen, geht diese Pflicht auf die internationale Gemeinschaft über. Dann sind als ultima ratio humanitäre Interventionen gerechtfertigt, um die Achtung der Menschenrechte sicherzustellen. Das Prinzip der Schutzverantwortung soll in der Charta der Vereinten Nationen verankert werden. Zudem sollen Mechanismen eingeführt werden, um Staaten mit fragwürdigen Menschenrechtspraktiken bzw. Staaten, die nachweislich Menschenrechtsverletzungen begehen, entweder von der Mitgliedschaft im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen oder von dessen Ratsbüro ausgeschlossen werden.
3. Reform der Generalversammlung
Die Jungen Liberalen fordern eine höhere (politische und moralische) Verbindlichkeit für Beschlüsse der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Dabei soll die Generalversammlung im Falle der Selbstblockierung des Sicherheitsrats auch Verantwortung im Sinne der Resolution von 1950 “Uniting for Peace” für Weltfrieden und internationale Sicherheit übernehmen.
4. Rechenschaftsmechanismen für Referate der Vereinten Nationen
Um Korruption, Intransparenz und Ineffizienz zu vermeiden, fordern wir, insbesondere bei der Mittelverwendung, die Einführung von Rechenschaftsmechanismen. Zudem sollen die Ethikregeln gestärkt werden, um stärkere Maßnahmen gegen Missmanagement und Machtmissbrauch zu haben.
5. Reformen der Friedensmissionen der Vereinten Nationen
Die Jungen Liberalen fordern Reformen der Friedensmissionen der Vereinten Nationen, um die Effektivität und Legitimität zu steigern. Dabei fordern wir zum einen klare, spezifische und realistische Mandatierung von Einsatzzielen, um die Erfolgskontrolle zu erleichtern, sowie eine zeitliche Begrenzung und regelmäßige Überprüfungen, um Anpassungen an veränderte Situationen zu ermöglichen. Des Weiteren fordern wir eine Verbesserung der Einsatzbedingungen durch bessere Ausstattung und Schulung der Blauhelme, um Anforderungen moderner Konfliktszenarien gerecht zu werden. Außerdem eine möglichst adäquate Repräsentation der Bevölkerung mit einem entsprechenden Anteil an Frauen unter den Blauhelmsoldaten, da dies die Erfolgswahrscheinlichkeiten der Missionen stärkt. Zudem soll der Schutz der Zivilbevölkerung als zentrales Element in den Mandaten dienen und durch entsprechende Ressourcen unterstützt werden. Es soll auch regelmäßige und transparente Berichte über den Fortschritt der Missionen geben, um das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft und der betroffenen Bevölkerung zu stärken. Dabei können externe Bewertungen der Missionen hilfreich sein, um objektive Analysen und Verbesserungen zu ermöglichen. Langfristig kann die verstärkte Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren, also der Aufbau von lokalen Sicherheitsstrukturen, als nachhaltige Lösung für Stabilität dienen. Als letztes Mittel fordern wir die Ermöglichung des Einsatzes von Kampftruppen, um territoriale Integrität ihrer Mitgliedstaaten und den Erhalt der Menschenrechte zu gewährleisten.
6. Einbindung von Kosovo, Taiwan und Tibet
Wir Junge Liberale bekennen uns klar zur Unabhängigkeit des Kosovo, der Republik China (Taiwan) und Tibets. Wir fordern deren Einbindung in internationale Organisationen und insbesondere auch die Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen. Des Weiteren fordern wir die Volksrepublik China dazu auf, gegenüber der Sonderverwaltungszone Hongkong zu dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ zurückzukehren.
7. Beendigung der ungerechtfertigten, oftmals antisemitisch motivierten Verurteilung Israels innerhalb der Vereinten Nationen
Die Jungen Liberalen verurteilen zutiefst die antisemitische Haltung großer Teile der Staatengemeinschaft. Die Vereinten Nationen haben ein massives institutionelles Antisemitismusproblem. Deutschland und die EU-Mitgliedstaaten müssen antisemitische und antizionistische Resolutionen in der Generalversammlung der Vereinten Nationen konsequent ablehnen. Zudem fordern wir eine unparteiische, unabhängige und verhältnismäßige Behandlung des Staates Israels innerhalb der Vereinten Nationen, des IGH sowie des IStGH.