Schule hat den Auftrag, junge Menschen unabhängig vom Elternhaus bestmöglich auf ihre Zukunft vorzubereiten. Dazu gehört heute zwingend der kompetente, reflektierte und selbstbestimmte Umgang mit digitalen Medien. Medienkompetenz ist eine zentrale Zukunftskompetenz – vergleichbar mit Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Realität zeigt jedoch, dass diese Aufgabe bisher nur unzureichend erfüllt wird. Rund 40 % der Schülerinnen und Schüler der achten Klasse verfügen nur über rudimentäre digitale Fähigkeiten – und im Jahrestrend ist ein deutlicher Rückgang der Kompetenzen festzustellen.
Eine Bitkom-Studie verdeutlicht zugleich, wie früh digitale Medien Teil der Lebenswelt junger Menschen sind: Bereits mit durchschnittlich sieben Jahren nutzen Kinder Smartphones, und mit neun Jahren besitzen sie ihr erstes eigenes Gerät. 99 % der Eltern geben an, dass Erreichbarkeit und Sicherheit der entscheidende Grund für die frühe Smartphone-Vergabe sind. Während bei Kindern im Grundschulalter noch über 90 % der Eltern Regeln, Zeitlimits und Jugendschutzfunktionen einsetzen, sinkt diese Quote bei Jugendlichen ab 16 Jahren auf nur noch 10 %. Zugleich wurde mehr als die Hälfte der Kinder bereits Opfer von Cybermobbing oder ist mit verstörenden Inhalten konfrontiert worden.
Diese Befunde machen deutlich: Medienbegleitung darf nicht allein den Eltern überlassen bleiben. Während fast 80 % der Eltern eine stärkere Verankerung von Medien- und Digitalkompetenz in den Lehrplänen fordern, gelingt es vielen gleichzeitig nicht, ihre Kinder wirksam und dauerhaft zu schützen. Schule muss daher noch entschiedener als bisher Verantwortung übernehmen und systematisch digitale Bildung vermitteln – altersgerecht, verbindlich und mit Blick auf die Schutzbedürfnisse junger Menschen.
Digitalkompetenz ist heute genauso wichtig wie Lesen und Schreiben. Sie entscheidet darüber, ob junge Menschen sich souverän, sicher und gestaltend in der digitalen Welt bewegen können. Deshalb muss sie fester Bestandteil schulischer Bildung sein.
Ein pauschales Verbot von Smartphones an Schulen – wie es aktuell in politischen Debatten gefordert wird – verkennt diese Realität. Es verlagert Probleme lediglich in den privaten Raum, statt Lösungen zu schaffen. Kinder und Jugendliche bleiben damit auf sich allein gestellt. Doch gute Medienbildung darf nicht vom Elternhaus abhängig sein. Sie muss systematisch in der Schule stattfinden – dort, wo junge Menschen begleitet, angeleitet und befähigt werden können.
Gleichzeitig ist unbestritten, dass eine unkontrollierte und unbegleitete Nutzung digitaler Endgeräte im schulischen Raum problematische Auswirkungen auf Konzentration, Sozialverhalten und psychisches Wohlbefinden haben kann. Genau deshalb braucht es kein Verbot, sondern didaktisch fundierte, altersgerechte und flexibel anpassbare Nutzungskonzepte, die Schulen eigenverantwortlich entwickeln dürfen – angepasst an ihre pädagogischen, organisatorischen und personellen Gegebenheiten.
Um diesen Bildungsauftrag zu erfüllen, müssen Schulen über die notwendige Infrastruktur verfügen und Lehrkräfte gezielt fortgebildet werden. Pädagoginnen und Pädagogen benötigen nicht nur technisches Know-how, sondern auch medienpädagogische und didaktische Kompetenzen. Dazu gehören unter anderem die Fähigkeit zur kritischen Informationsbewertung, Datenschutzbewusstsein, digitale Selbstregulation und ein verantwortungsvoller, kreativer Umgang mit digitalen Technologien. Nur so können sie Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt an eine souveräne Nutzung digitaler Medien heranführen.
Daher fordern die Jungen Liberalen:
- Schulen die Freiheit zu geben, eigenverantwortlich, partizipativ und flexibel Regelungen zur Smartphonenutzung zu entwickeln, die sowohl pädagogische, personelle als auch organisatorische Gesichtspunkte vor Ort berücksichtigen.
- Verstärkt bedarfsgerechte Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte bereitzustellen, die praxisnahe Inhalte und Methoden zur Nutzung von digitalen Endgeräten in Schule und Unterricht vermitteln.
- Die Medienbildung in Schulen kontinuierlich weiterzuentwickeln, um Schülerinnen und Schülern ein altersgerechtes, zeitgemäßes und praxisnahes Verständnis für digitale Medien zu vermitteln. Anstelle von restriktiven Verboten setzen wir auf Aufklärung über Risiken von exzessiver Nutzung (z. B. Cybermobbing, Abhängigkeit, Datenschutzprobleme) und auf die Befähigung zu bewussten Entscheidungen im Umgang mit dem eigenen Smartphone.